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Sex Fremdgehen
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Die Expertin sagt „Ja“
Fremdgehen statt Scheidung?

Warum nicht, meint Sexologin Ann-Marlene Henning. Vorausgesetzt, man redet vorher miteinander

Katja Malich
on 15. September 2017

Unverkrampft über Sexualität zu informieren und sie im Fernsehen ganz natürlich darzustellen, das hat das trimediale Format „Make Love“ geschafft. Gesicht und Seele der Sendung ist seit der ersten Staffel 2013 die Buchautorin und Sexologin Ann-Marlene Henning. Seit dem 5. September (22.45 Uhr, ZDF) läuft nun bereits die fünfte Staffel. Abseits vom Dreh schreibt Ann-Marlene Henning gerade an einem neuen Buch, das im Herbst 2018 erscheinen soll. Zudem behandelt sie Klienten in ihrer Hamburger Praxis und absolviert einen berufsbeglei­tenden Masterstudiengang in Merseburg. Denn: „Auch wenn ich bereits Sexologin bin, muss ich viel vorbereiten und studieren.“ 

Sie haben in Leipzig, Hamburg und ­Berlin gedreht. Sind die Leipziger offener im Umgang mit ihrer Sexualität?

Vielleicht ein kleines bisschen. Es kommt natürlich wie immer darauf an, wen man anspricht. Die Hamburger haben generell ein wenig mehr Contenance, man muss mehr Leute kontaktieren, bis man welche findet, die offen von ihrer Sexualität erzählen. 

Gehen Männer öfter fremd als Frauen?

Nein. Männer gehen nicht häufiger fremd. Es gab mal eine Zeit, zu der es so war, aber die Frauen haben aufgeholt. Beide Ge­­schlechter gehen fremd, die Frauen sind da­­bei raffinierter. Sie haben auch den Vorteil, dass man es von ihnen nicht erwartet! 

Zum Thema Körperideale: Sind Sie selbst denn vollkommen frei von den Idealen, die uns die Gesellschaft vorgibt? 

Nein, jeder misst aus seiner eigenen Vorstellung heraus. Ich war Model, habe Unterwäsche präsentiert und hatte damals einen perfekten Körper. Ich war es gewohnt, nichts tun zu müssen, um perfekt auszusehen. Die Veränderungen beim Älterwerden waren dann manchmal schwer zu akzeptieren. Aber man kann sich sagen, dass man trotz der vielleicht als zu dick empfundenen Oberarme in einem ärmellosen Top losgeht. Ich persönlich fühle mich wohler, wenn ich drei, vier Kilo weniger habe. Aber generell sollten wir etwas liebevoller mit uns um­gehen und aufhören, uns mit Idealen zu messen, denn dann kann man nur verlieren! Es ist manchmal wirklich schwer! Ich werde 53 und habe Glück mit meinem Körper, ­dennoch fühle ich mich in jeder TV-Talkshow unwohl, wenn ich mich ansehe, denn auf dem Bildschirm sieht man immer einige Kilo schwerer aus. Ich unterliege also auch dem Schönheitsideal der Schlankheit. Genau darum geht es in unserer Sendung.

Derzeit sieht man einige Stars mit Kindern, die nicht geschlechtstypisch gekleidet sind. So trägt Angelina Jolies Erstgeborene Shiloh nur Jungsbekleidung, Charlize Therons Adoptivsohn geht mit Kleidern oder im Tutu vor die Tür. Soll man die Kinder so auf die Straße schicken?

Ja! Aber das ist eine lange Diskussion. In meinem Merseburger Masterstudiengang im Fachbereich Sexologie, den ich gerade ab­solviere, ist Gender ein wichtiges und politisches Thema. Ich sehe die Geschlechterdebatte inzwischen mit anderen Augen und habe auch mein Buch über Männer (erscheint 2018 bei Rowohlt/die Redaktion) dementsprechend umgeschrieben. Biologisch ist es nicht nachvollziehbar, die Ge­­schlechter in zwei strenge Kategorien, Mann und Frau, einzuteilen. Es gibt viel mehr dazwischen, als die meisten denken. 

Ist das nicht eher ein Trend, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen? 

Es ist für mich kein Trend! Viele trauten sich bisher nur nicht auszusprechen, dass sie sich beispielsweise im falschen Körper befinden oder sich einfach keinem Geschlecht richtig zugehörig fühlen. Jetzt sagen sie endlich, wie es ihnen geht. Es gibt so viele Leute, die sowohl männliche als auch weibliche Anteile in sich spüren, warum sollten wir diese un­­terdrücken, um in einen Kasten zu passen, auf dem „typischer Mann“ oder „typische Frau“ steht? Bei mir zu Hause übernehme ich oft in der Beziehung die eher männliche Rolle. Und mein Freund die weibliche. Wir sollten endlich diese geschlechterspezifischen Klischees hinter uns lassen! Es wird sich in dieser Beziehung noch richtig was tun! 

Katja Malich
on 15. September 2017

Das passt dazu...