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Barbara Thalheim
N.Kuzmanic/SUPERillu
Das Geburtstags-Gespräch
Wie geht es eigentlich Barbara Thalheim?

Hannes Hofmann
on 26. September 2017

Barbara Thalheim wurde gerade 70, und wir treffen sie auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin, Grabplatz 70. Makaber? Sie findet das nicht. „Ich wohne nebenan, komme oft her. Die Seele baumeln lassen, Ruhe finden, Freunde besuchen.“ Barbara Thalheim hat zwei Rosen in den Händen. Eine legt sie bei Günter Gaus ab, der ihr schon zur DDR-Zeit als Ratgeber zur Seite stand, die andere bei Gisela May.

Der Ruheplatz der großen Namen macht nachdenklich. Barbara Thalheim, die am 5. September runden Geburtstag feierte: „Die Zahl derer, die man zum 70. um seinen Tisch versammeln kann, wird kleiner.“ Und: „Ich komme mir hier vor wie die Kommissarin in der Szene, in der mit Filzstiftstrichen Beziehungen zwischen Protagonisten markiert werden.“ Und schon ist sie mitten im eigenen Geschehen, erzählt von Freunden, die ihr im Leben wichtig sind oder waren: Georges Moustaki, Konstantin Wecker, Hanns Dieter Hüsch, Herman van Veen, Hana Hegerová, Georg Danzer, die Pluhar und Christa Wolf. Und sie schwärmt von ihrem langjährigen musikalischen Partner, dem französischen Akkordeonisten Jean Pacalet († 2011). „Wir haben mehr als ein Jahrzehnt gemeinsam auf der Bühne gestanden. Sein Tod war ein schwerer Schlag. Verluste zehren an den Kräften …“

In dieses Kapitel gehören aber auch Erinnerungen an einstige Weggefährten, die sich abwandten – die einen nach ihrem Rausschmiss aus der SED, die anderen, als sie nach der Wende ihr kurzzeitiges Intermezzo mit Erich Mielkes Leuten bekannt machte. Das war Anfang der 70er-Jahre, als Barbara Thalheim, wie manch anderer auch, noch auf Veränderbarkeit der DDR-Verhältnisse hoffte. Die Genossen sahen das anders und stellten die Zusammenarbeit mit widerborstigen Linken ein.

Barbara Thalheim, die am 5. September 1947 in Leipzig geboren wurde, ist ein Kind des „roten Adels“. Ihr Vater war im französischen Widerstand und überlebte das Konzentrationslager der Nazis. Sie machte Abitur, war zwischen 1963 und 1966 Mitglied des legendären Oktoberclub in Ostberlin. 1971 erschien ihre erste Amiga-Platte, „Frühling in der Schönhauser“. 1976 schloss sie dann die Hochschule für Musik Hanns Eisler ab.

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Fortan besang sie das Leben – mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. „Die Entscheidung für ein Thema kommt bei mir aus dem Bauch“, sagt sie. Es fällt auch das Wort „Seelentoilette“. Und sie erinnert sich an ein Lied aus der DDR-Zeit: „In der Macht, in der Nacht, in der Not ist der Mensch nicht gern alleine“ … Wohl dem, der Zerrissenheit (Alben: „Fremdgehen“, 1994, und „Insel sein“, 2004) so entfliehen kann.

Und dafür dann auch noch Preise bekommt im großen Kulturtheater: Goldmedaillen der DDR-Unterhaltungskunst, Kunstpreis der DDR, Preise der deutschen Schallplattenkritik und den französischen „Coup de cœur“. 1995 ging Barbara Thalheim, mit 48 Jahren, auf Bühnenabschiedstournee, um vier Jahre später den Rücktritt vom Rücktritt zu verkünden …  Zum 70. Geburtstag, macht sie sich und ihren Freunden selbst ein Geschenk: Am 8. September präsentiert sie im Columbia Theater in Berlin ihr Geburtstagsprogramm „voll jährig“. Die Liedermacherin des Ostens tritt u. a. mit den Salon-Hip-Hoppern Pigor & Eichhorn auf.

Steckbrief

Persönlich: 1947 in Leipzig geboren, in Ostberlin sozialisiert. Zwei Töchter.

Beruflich: Das Lied „Frühling in der Schönhauser“ (Amiga) machte sie 1971 bekannt. Die Amiga-Alben „Lebenslauf“ (1977) und „Was fang ich mit mir an“ (1979) erschienen im Westen bei Polydor. Sie arbeitete einige Zeit in Paris, gastierte in der UdSSR, Bulgarien, Dänemark und der Schweiz. Mehr als 20 Platten/CDs.

Hannes Hofmann
on 26. September 2017

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